Für die Bereiche Traumatherapie, Körpertherapie, Craniosacraltherapie und Bindung ist die Hand bzw. Berührung weit mehr als ein mechanischer Reiz. Die neurowissenschaftliche Forschung zeigt, dass Berührung direkt mit den Systemen für Sicherheit, Stressregulation, Bindung und emotionales Lernen verbunden ist.
Neben den bekannten Tastrezeptoren existiert ein spezielles System sogenannter C-taktiler Fasern (CT-Fasern). Diese reagieren besonders auf langsame, sanfte und warme Berührungen – etwa Streicheln oder haltenden Kontakt. CT-Fasern sind weniger für die genaue Lokalisation einer Berührung zuständig als für deren emotionale Bedeutung. Sie stehen in enger Verbindung mit Hirnregionen, die soziale Sicherheit, Bindung und Körperwahrnehmung verarbeiten. (PubMed)
Die Forschung beschreibt diese Form der Berührung als „affective touch“ (affektive Berührung). Sie unterstützt:
Aktuelle Übersichtsarbeiten zeigen, dass traumatische Erfahrungen die Verarbeitung sozialer Berührung verändern können.
Menschen mit Entwicklungs- oder Bindungstrauma erleben Berührung häufig:
Dabei sind Veränderungen sowohl in sensorischen Hirnregionen als auch in Stress- und Hormonsystemen beschrieben worden. Die Art, wie eine Person Berührung erlebt, hängt deshalb nicht nur von der Haut, sondern von ihrer gesamten Lerngeschichte und ihrem Nervensystem ab. (PubMed)
Besonders bei frühem Bindungstrauma kann das Nervensystem Sicherheit über Berührung nie ausreichend gelernt haben. Dadurch können spätere Nähe und Kontakt gleichzeitig ersehnt und gefürchtet werden. (PubMed)
Körpertherapeutische Ansätze gehen davon aus, dass Trauma nicht nur als Erinnerung, sondern auch in autonomen Reaktionsmustern des Körpers gespeichert wird.
Dazu gehören:
Methoden wie:
arbeiten deshalb häufig mit Körperempfindungen, Interozeption (innere Wahrnehmung) und manchmal auch mit therapeutischer Berührung. Die Forschung zu Somatic Experiencing zeigt erste Hinweise auf positive Wirkungen bei traumabezogenen Symptomen, betont aber zugleich den Bedarf weiterer hochwertiger Studien. (PMC)
Ein zentrales Konzept moderner Traumatherapie ist die Co-Regulation.
Darunter versteht man die Fähigkeit eines Nervensystems, sich durch die Anwesenheit eines anderen regulierten Menschen zu beruhigen.
Sichere Berührung kann dabei:
Neurowissenschaftliche Modelle beschreiben Berührung als Teil eines komplexen Feedbacksystems zwischen zwei Menschen, das emotionale Belastung abschwächen kann. (ScienceDirect)
Fazit: Berührung ist für uns Menschen so lebenswichtig wie Nahrung oder ei Dach über dem Kopf. Trauan wir uns wieder, in Kontakt zu gehen und uns auch berühren zu lassen!